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Wenn die Vermutung stimmt, dass die Stadt 3000
Jahre alt ist, wäre sie auch die älteste Stadt
Kirgisiens. Im Volksmund kann man oft hören:"Osch ist
älter als Rom". Es existieren mehrere Legenden über
die Entstehung der Stadt, denen zufolge der Gründer bald
Alexander der Große, bald Salomon war. Selbst wenn die Stadt
Osch nicht von einer historisch bedeutenden Person gegründet
worden wäre, allein ihre Lage an der Großen
Seidenstraße garantierte der Siedlung Wachstum und
Größe. Osch ist heute Hauptstadt der Provinz Osch
Oblast, am oberen Ende des Ferghana Tals in unmittelbarer
Grenznähe zu Usbekistan. Gen Süden führt die
Straße über Sari Tasch nach China über den
Irkeschtanpaß und nach Tadschikistan über den Kizil
Art Pass.
In der Mitte der Stadt liegt Suleiman Too
(Salomons Berg), der das Stadtbild dominiert. Bis zum XVI Jh.
hieß er "Bara Kutsch" - "der schöne Berg". Seinen
neuen Namen verdankt der Felsen dem islamischen Propheten Scheich
Suleiman, der am Fuße des Berges seine letzte Ruhe fand.
Seitdem gilt der Berg als heilige Stätte und jährlich
pilgern Ströme von Gläubigen dorthin. Viele Muslime
sind davon überzeugt, dass der Prophet Mohammed hier einst
gebetet haben soll.
 
Ein Pfad rund um den Berg bietet die Gelegenheit
zu einem unterhaltsamen aber etwas anstrengenden Spaziergang. Unterwegs
kann man gelegentlich in einer kleinen Höhle betende Menschen
finden. Von der Decke der Höhle tropft Wasser, dies sollen die
Tränen des Heiligen Suleiman sein. Pilger kommen in der
Hoffnung, Genesung und Lösung von Problemen jenseits des
Paradieses zu erreichen.
Nicht selten sieht man viele Frauen unter den
Pilgern, auch viele junge, denn eine Pilgerfahrt zum Suleiman Too soll
unfruchtbaren Frauen helfen Kinder zu bekommen (wahrscheinlich weil der
Berg, wenn man ihn aus einiger Distanz betrachtet, einer schwangeren
liegenden Frau ähnelt).
Am Ende einer kurzen, 30 minütigen
Bergbesteigung kann man auf der Spitze einen Fahnenstand und eine
Moschee aus dem Jahre 1487 finden , die unter dem 14 jährigen
Babur errichtet wurde. Dieser war der gekrönte Herrscher des
Ferghanatals aus der Dynastie der Timuriden, der kurz nach seinem
Thronantritt vor den Usbeken - fliehen musste. Über
Afghanistan kam er nach Indien und gründete dort die Dynastie
der Mogulen. Die Moschee selbst wurde zweimal zerstört und
wiederaufgebaut und ist heute ein Ziel für Pilger.
Später verzichtete Babur auf den Thron
und schrieb seine Memoiren, in denen er an das Suleiman Too (und seine
Bauprojekte); den Fluss, dessen beide Ufer mit Gärten und
rotem und weißem Stein bedeckt sind, aus denen Messergriffe
hergestellt werden, erinnerte. Er erzählt auch von einer
anderen Moschee, die auf einer Wiese gebaut wurde, welche von einem
breiten Fluss durchströmt wird. Dies scheint ein Streich
gewesen zu sein, um die Menschen vor dem Einschlafen auf der Wiese mit
den drei Strömen auf der anderen Seite zu warnen.
Hier oben befindet sich auch ein kleines
archäologisch-kulturelles Museum mit zahlreichen alten
Exponaten, die in der Stadt und der Umgebung gefunden wurden. Im
geschichtlich-ethnographischen (Völkerkundlichen) Museum kann
man immer gute Ausstellungen über die Geschichte des
kirgisischen Südens zu Zeiten der Großen
Seidenstraße besuchen. Diese befassen sich u.a. mit der
kirgisischen Migration aus Südsibirien; den Kokander Khanaten,
der Russischen Invasion 1865 und der Zeit der Bolschewiken nach 1917.
Ein interessantes Exponat ist eine Mappe aus dem Jahre 1953, die
verschiedene kirgisische Stämme und Clans auflistet (bis heute
von großer Bedeutung in der kirgisischen Gesellschaft).
Viele Reisebücher für die Region
verweisen auf den Bazar und bezeichnen ihn es als einen der
malerischsten in ganz Asien. Der Bazar erstreckt sich etwa einen
Kilometer entlang des Flusses Ak Buura, welcher die Stadt von Norden
gen Süden durchquert. In der Nähe des Bazars befindet
sich die größte Moschee Kirgisiens, die Said Tepa
Moschee. Das ursprünglich aus Holz errichtete Bauwerk entstand
zwischen 1908 und 1910, wurde dann aber von den Sowjets geschlossen und
diente in dieser Zeit bald als Stall, bald als Eisenschmiede. Es wurde
1943 wieder eröffnet, als ein Akt religiöser Toleranz
der damaligen sowjetischen Regierung. Heute wird es mit finanzieller
Unterstützung Saudi-Arabiens renoviert und bietet Platz,
für knapp 5000 Gläubige.
 
Einen Besuch ist auch die Rabat Abdul Chan
Moschee, wert diese ist aber nur für Männer mit
angemessener Bekleidung zugänglich, sowie die
russisch-orthodoxe Kirche.
Von der Stadt aus bieten sich Ausflüge in
den Kara Schoro National Park, die Höhlen Tschil Ustins und
die Petroglyphe Avarans an.
Die Gebirgsketten, die das Land teilen, haben den
Norden vom Süden isoliert. Daher wird den Menschen im
Süden nachsagt, sie wären unabhängiger,
eigenständiger und stolzer als die Menschen im russifizerten
Norden. In der Tat gibt es nur zwei Nord-Süd Verbindungen, von
denen die Straße von Bischkek nach Osch als
Hauptstraße gilt und die eine sagenhafte Fahrt durch das
Gebirge und den nördlichen Ärmel des Ferghana Tals
anbietet. Für Fluggäste gibt es mehrere
Flüge am Tag zwischen Bischkek und Osch.
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