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Wenn man es ganz genau nimmt, befindet sich das geographische Zentrum
von Asien ungefähr 1.000km nördlich, die Bezeichnung
"Zentral-asien" ist heute jedoch gang und gäbe und wenn man
sich die Weltkarte anschaut, liegt Kirgisien nicht weit ab vom
kontinentalen Mittelpunkt.
Mit etwas weniger als 200.000 km2 ist Kirgisien etwa so groß
wie die Schweiz, Belgien, Holland und Portugal zusammen, oder anders
gesagt, etwas kleiner als Großbritannien und zeichnet sich
vor allem durch seine Berge und ein extremes Kontinentalklima aus.
Obwohl das nördliche Kirgisien auf dem gleichen
Längengrad wie Rom liegt, zeigt das Thermometer hier im Winter
bis zu -35° C. Im Sommer dagegen sind Temperaturen bis
45° C und darüber bei extrem trockener Luft keine
Seltenheit, im Jahre 1998 wurden in Bischkek sogar
rekordverdächtige 50° C gemessen.
93% der Landmasse liegt auf über 1.500m ü.M., 41% gar
über 3000m, eine Landmasse bestehend vor allem aus
Hochplateaus, Hochtälern und natürlich den in
Bergsteigerkreisen berühmten Berggipfeln, wie dem Tenir Too im
Tien-Schan Gebirge.
Das berühmteste Besucherziel ist mit Abstand der Issik - Kul
See (der warme See). Obwohl auf 1'600m gelegen, friert er mit seinen
668m Tiefe niemals zu, daher sein Name. Der Issik - Kul liegt in einer
Gletscherkule, inmitten der Berge.
Eine dreistündige Fahrt vom Issik - Kul aus führt an
einen weiteren wunderschönen Bergsee, den Son Kul, auf 3.000m.
ü.M. gelegen, innerhalb eines Naturschutzreservates.
Der Fluss Narin fließt von nordost nach südwest und
vereinigt sich mit dem Fluss Kara-Darya um weiter als Sir-Darya, dem
legendären Jaxartes der Antike, durch das Fergana Tal bis in
den Aralsee zu fließen, nicht mehr in der Form wie einst, als
mächtiger Fluss, sondern heute zum Teil nur noch als Rinnsal.
Die Quelle des Sir-Darya, nach dem Amu-Darya der
größte Fluss Zentralasiens, liegt oberhalb der Stadt
Narin und kann besichtigt werden.
Die Kirgisen zählen zu den ältesten
eigenständigen Völkern der Gegend und werden schon in
alten chinesischen Chroniken erwähnt. Seit jeher widmen sie
sich dem Nomadentum, die Sommermonate verbringen heute noch viele
Kirgisen mit ihren Herden im Jailoo, den Weidegründen hoch in
den Bergen, im Winter ziehen sie mit ihren Jurten runter ins
Kyshtoo. Oft wurden die Kirgisen mit den Kasachen
verwechselt, welche als Kirgisen benannt wurden, während die
Kirgisen sich als Kara Kirgisen bezeichneten. Natürlich sind
die beiden Volker ethnisch liiert und entstammen wohl dem selben
Ursprungsort; die Kirgisen entwickelten sich nach Jahrhunderten der
Migration zu Bergnomaden und die Kasachen zu Steppennomaden. Beiden
gemein war ihr sagenumwobenes kriegerisches Geschick.

Leider gibt es wenige historische Überlieferungen, was die
Kirgisen, ihre Herkunft und ihre Entwicklung betrifft, über
die urbanen Zentren von Usbekistan und China sind hingegen etliche
Schriften erhalten, welche auch Hinweise über die wichtigsten
geschichtlichen Ereignisse auf heutigem kirgisischen Boden liefern.
Zivilisationen erblühten und vergingen;, die Saken oder
Skythen waren nach dem 9. Jh. vor Christus in diesem Gebiet
angesiedelt, das "Gold der Skythen", die prunkvollen
Schmuckstücke und Kultgegenstände sind Zeugen einer
nomadischen Hochkultur, Alexander der Große kam auf seinem
Eroberungszug höchstwahrscheinlich durch krigisisches Gebiet,
Ab dem 9. Jh. herrschten die Kirgisen über ein
großes Reich, später verbreiteten die Mongolen Angst
und Schrecken, danach Tamerlan. Babur, der Gründer des
Moghulenreichs in Indien, entstammt dem Ferghana Tal, wo er in der
heutigen Stadt Osch aufwuchs, viel später war auch Marco Polo
hier auf der Durchreise. Niemand kann mit Gewissheit
bestätigen, wo genau die Spuren Alexander des Großen
hinführten; gelangte er wirklich, wie angenommen, ins
Tschui-Tal, wo er den Prinzen Shu ausmanövrierte und bis an
den Issik - Kul See, wo er iranische Kriegsgefangene aus noblen
Familien in Barskoon ansiedelte? Man wird es wohl nie wissen.
Über Marco Polos Reise wird heute noch debatiert, Dschingis
Khan und die mongolischen Horden raubten und mordeten, verschonten aber
Orte wie Balasugan, welche freiwillig die Stadttore öffneten.
Es heißt, eine seiner Frauen liege hoch in den Bergen bei
Talas begraben. Tamerlan drang auf seinem Feldzug gegen die Chinesen in
kirgisisches Gebiet ein, über ihn gibt es viele Sagen und
Legenden wie auch archäologische Fundorte. Die Geschichte der
letzten 150 Jahre hingegen ist bestens aufgezeichnet, über die
Eroberung der Russen unter den Zaren, die sovjetische Epoche und die
Jahre seit der Unabhängigkeit gibt es eine Fülle von
Material aus verschiedensten Quellen.
Wenn auch eine Stadt wie Osch sich seiner 3'000 jährigen
Geschichte rühmt, so gibt es doch wenige Indizien für
eine menschliche Besiedelung in der Frühzeit. Am besten taucht
man in die Geschichte des Landes ein, indem man die architektonischen
Werke längst vergangener Zeiten besucht, den Turm zu Burana,
nahe Tokmak, das Manas Gumbez Mausoleum nahe Talas, den
Ösgen Komplex und die Karavansaray Tasch Rabat in der Narin
Provinz auf dem Weg nach Torugart an der chinesischen Grenze.
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